KAMPF-TÖRN 3
OT Freitag, 5. Januar 2007
Mittellandzeitung

"Sehbeeren" waren auf dem Ärmelkanal

Korsarenschiff - Der Stüsslinger Aldo Botta und seine Kameraden begaben sich mit dem "Le Renard" auf See

Aldo Botta aus Stüsslingen und seine "Sehbeeren" segeln seit sieben Jahren regelmässig
auf dem Ijssel- und Wattenmeer, der Ost- und Nordsee und heuer erstmals mit dem histo-
rischen Korsarenschiff "Le Renard" auf dem Ämelkanal.


Scheffseber Aldo Botta zeigt seinen Kameraden den Weg

Textfeld: Veronika Sigrist

«Es ist ein erhabenes Gefühl, mit dem historisch nachgebauten und komfortlo-sen <Le Renard> wie im Mittelalter und erst noch unter Schweizer Flagge zu segeln», erzählt Aldo Botta aus Stüsslingen. Botta ist Lehrer an der Berufsschule Aarau, ist ein bekannter Emailkunstschaffender und besitzt in seinem Heim in Stüsslingen das Atelier Im Tenn. In Anlehnung an diesen Namen gründete er 1999 die «Tenn-Törns», und seither segelt er jeden Sommer und Herbst mit Gleichgesinn-ten aus dem Freundes- und Bekannten-kreis aufs Meer. Auf einwöchigen Segeltörns leben die Seebären, schalkhaft genannt «Sehbeeren» oder «Seberen», auf engem Raum zusammen und ziehen am gleichen Strick. Dies meistens auf komfortablen, traditio-nellen Segelschiffen mit Küche samt «Küchenscheff» Oskar Spielmann, Duschen und allem Drum und Dran. 

Alles begann im Ijsselmeer
Die Faszination, die romantischen nordholländischen Hafenstädtchen vom Wasserweg her zu besuchen, war der Beginn der «Tenn-Törns». Zusammen mit Gleichgesinnten erkundete Botta 1999 das ungefährliche, problemlose Ijsselmeer. Zwei Jahre später folgten Törns in der Ostsee mit Besuch Kopenhagens und später ein weiterer Höhepunkt in der deutschen Nordsee mit Helgoland und Hamburg. Mittler-weile ist die Adressliste auf über 150 alternierend teilnehmende «Sehbeeren» angewachsen. 
Jeweils im Herbst organisiert Botta ein Ereignis der ganz besonderen Art. Dann ist «Kampftörn» im bretonischen Teil des Ärmelkanals auf einem historischen Nachbau des damals schnellsten Fischerbootes «Cancalaise» angesagt. «Wir nennen dieses einmalige Erlebnis Kampftörn, weil wir komfortlos leben», erklärt «Scheffseber» Aldo Botta. Und schmunzelnd fügt er hinzu: «Wir geniessen dann eben militärischen Luxus».

Textfeld: Segeln auf Surcoufs Spuren
Diesen Herbst erlebten einige «Kampf-Sebers» einen weiteren eindrücklichen Höhepunkt. Auf einem Nachbau eines Kaperschiffs des berühmten Korsaren Robert Surcouf, der «Le Renard» 1812 aus einem englischen Kutter zum stattlichen Kaperschiff mit Kanonen umrüstete, machten die «Sehbeeren» den Ärmelkanal «unsicher». «Fast fühlten wir uns wie Piraten auf dem Wege von Saint-Malo nach England», berichtet Botta ver-schmitzt. Die Kanonen seien jedenfalls schussbereit gewesen. Es sei auch schon geschossen worden, weiss Pirat Botta. «Selbstverständlich nur Freudenböller-schüsse» präzisiert er augenzwinkernd. 
Ein weiteres Hoch der Gefühle sei, wenn das prächtige Segelschiff von Delphinen eskortiert werde. «Wir durften dieses höchst eindrückliche Schauspiel heuer erleben.» Ein Abenteuer auf dem mittelalterlichen Segelschiff war die Verpflegung der Leute. Schiffskoch «Smutje» Oskar Spielmann aus Däniken, weiss davon ein Liedchen zu singen. «Auch die Kochstelle war natürlich mittelalterlich» meint er schmunzelnd. Oski, wie er von den jeweils hungrigen «Sebers» genannt wird, erhält aber viel Lob. «Oski hatte alles im Griff», so die Beurteilung. 

Auch Frauen sind willkommen
Wohl werden die reinen Männertörns wie bisher bestehen bleiben, betont Organisator Botta. Doch wie eine gute Erfahrung gezeigt habe, seien auch Frauen durchaus «segeltörntauglich». Vor zwei Jahren fand der erste Damentörn mit Kolleginnen aus derBerufsschule Aarau statt. Seither erfolgten auch Törns mit geschlossenen Gesellschaften wie Vereinen, Klubs und Betrieben. 
Ab nächstem Jahr soll es auch gemischte Törns geben. «Ich bin offen», meint der segelerprobte «Seber» Aldo Botta aus Stüsslingen. - Wer sich für die Törns interessiert, findet alle Auskünfte neu auch auf der Website > www.tenn-toerns.ch 

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