DIE SEHBEEREN UNTERWEGS
Solothurnerzeitung 26.07.2002

28 «Sehbeeren» auf hoher See

Aldo Botta kreuzt mit 28 Männern auf einem Windjammer in der Ostsee

Zurzeit segelt der Stüsslinger Kunstschaffende und Lehrer Aldo Botta zusammen mit 28 «Seebären» mit einem Windjammer in der Ostsee. Im Vordergrund der Reise stehen Bordleben auf engstem Raum, der Besuch von kulturellen Orten und Geselligkeit unter Männern.

Die Mannschaft um Aldo Botta ist auf Deck und bereit zum Auslaufen.
Korr. Veronika Sigrist


Sie wandeln ihre Übernamen bisweilen ab und nennen sich scherzhaft «Sehbeeren», «Seebeeren» oder auch nur «Sebers». Es sind Männer aus der ganzen Schweiz, vornehmlich aus dem Niederamt und dem Kanton Solothurn, die sich jeweils ein ganzes Jahr lang auf den nächsten Sommer freuen. Dann nämlich machen sie sich auf zu einem einwöchigen Segeltörn im Ijsselmeer oder heuer zusätzlich in der Ostsee. Ober-Seebär ist Aldo Botta aus Stüsslingen. Seit einigen Jahren organisiert der Lehrer und Kunstschaffende Segeltörns unter dem Namen Tenn-Törns. «In der Regel sind es Freunde und Kollegen von mir oder von bereits integrierten Seebären, die mitsegeln» erklärt «Seber» Aldo. «Es hat sich herumgesprochen und inzwischen sind es total 53 solcher Seebären.»

Der Weg ist das Ziel
«Wir reisen mit dem Wind und den Wellen», schildert Aldo Botta seine Reisen. Was so improvisiert und locker tönt, ist in Wirklichkeit eine sehr gute und minutiös vorbereitete Aktion. Viel Soziales steht im Mittelpunkt, denn 28 verschiedene «Bären» haben auch 28 verschiedene Charaktere. «Wir haben das aber im Griff», sagt Reiseleiter Botta bestimmt, und man glaubt es ihm. Sonst hätte er nicht schon so viele Törns erfolgreich durchgeführt, und die Nachfrage steigt. «Wir arbeiten (jeder darf, keiner muss) im Segelwerk, auf Deck, in der Kombüse, und - wir sind sehr gesellig...»

Neben dem Besuch von diversen kulturell geprägten Orten, auf den Spuren der Wikinger, konzentrieren sich die «Sehbeeren» aufs Bordleben auf kleinstem Raum. «Der Weg ist unser Ziel», heisst es übereinstimmend.

Es ist keine leichte Aufgabe, jeden Tag 28 hungrige «Seebären» zu verpflegen. Koch Oskar Spielmann ist seit Beginn dieser Törns mit dabei und hat inzwischen seine Erfahrungen gemacht. Vieles kauft er schon zu Hause ein, Frischware wird beim Anlegen in den Hafenstädten besorgt. «Und zwar nach einem ausgeklügelten Speiseplan», berichtet er. «Einmal gibts Fondue», bemerkt er schmunzelnd. «Seebär» Oski ist nicht etwa ein Berufskoch; Kochen ist sein Hobby. «Und kochen auf einem Segelschiff ist etwas ganz Spezielles», betont er. Auch hier kommt die Tenn-Törn-Philosophie zum Tragen: Man hilft einander beim Vorbereiten, beim Abwaschen oder beim Einkaufen.

Hafenstädte anders erleben
Aldo Bottas Schlüsselerlebnis zu seiner Segeltörn-Liebe war vor Jahren der Besuch bei holländischen Freunden. «Ich habe auf einer Fahrt mit einem Segelschiff festgestellt, dass die Hafenstädte ganz anders erlebt werden, wenn sie vom Meer her angefahren werden.» Als Geografielehrer habe er auf diese Weise die niederländische Küstenbefestigung und Landgewinnung geografisch und historisch ganz neu erlebt. Erfahrungen im Segeln machte er als ehemaliger Fuxmajor der Studentenverbindung Arion Solodorensis, die immer wieder auf Törns gingen. Zudem hat Botta während vieler Jahre zum Nebenerwerb bei Reisebüros mitgearbeitet. Vor einigen Jahren nun hat er mit seinen Törns im Ijsselmeer begonnen. Der Erfolg sei so gross gewesen, dass er heuer neben dem «Ijsseltörn» auch noch einen «Ostseetörn» organisiert habe. «Wir sind hungrig geworden», so «Sehbär» Botta. «Ich plane in den nächsten Jahren neben dem obligaten Angebot auch Törns in die Ost- und Nordsee und zu den Kanalinseln. Später könnten es gar Ziele wie Dalmatien, die Lofoten und Sizilien sein.»

Und wie steht es mit einer Öffnung, weg vom heute reinen Männerklub? «Nimmt man Frauen dazu, kompliziert sich die Sache mit dem engen Platz an Bord», meint «Seber» Aldo augenzwinkernd. «Aber ich bin offen für alle Eventualitäten.»
 
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